Vorwort

Leider sind die Aufzeichnungen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges verloren gegangen, so dass über Einzelheiten aus dieser Zeitspanne nicht mehr viel berichtet werden kann.


Der Name Henrichenburg

Der Stadtteil Henrichenburg hat seinen Namen von der ehemaligen Burg, die in diesem Gebiet stand. Eine Urkunde von 1263 nennt Arnold Ritter von Henrichenburg als Besitzer. Der Platz der Burganlage liegt heute unmittelbar am südlichen Ufer des Rhein-Herne-Kanals östlich der Auffahrtrampe der Wartburgstraßenbrücke über den Kanal.


Die Jahre vor der Gründung

Um die Wende vom 19. in das 20. Jahrhundert herum und früher hatte die Gemeinde Henrichenburg einen absolut ländlichen Charakter. Aus diesem Grund waren bei einem Brand die Kötter und Bauern auf die eigenen Kräfte und nachbarliche Hilfe angewiesen. Mit einfachsten Mitteln wie Ledereimern und Holzkübeln wurde zu jener Zeit versucht einen Brand zu löschen. Mit diesen primitiven Hilfsmitteln und der mangelnden Organisation war der Erfolg aber meistens nur gering, häufig brannte das ganze Anwesen nieder. Etwas besser wurde es, als die Gemeinde um 1895 zwei Handdruckpumpen beschaffte, zu deren Bedienung allerdings viele Hände nötig waren. Diese wurden daher von der Gemeinde verpflichtet. Jeder arbeitsfähige männliche Einwohner hatte im Brandfall die Verpflichtung bei den Löscharbeiten tatkräftig zu helfen.

An größeren Bränden in dieser Zeit waren unter anderem zu verzeichnen:
- der Brand auf Haus Henrichenburg etwa 1898
- der Brand im Saal der Gaststätte Wartburg um 1900
- der Brand des Bauernhauses Hartmann gen. Vockmann 1906
- der Brand des Bauernhauses Kemper an der Waltroper Straße ebenfalls im Jahre 1906.

Mit der wachsenden Bevölkerung infolge der zunehmenden Industrialisierung der Umgebung wuchs auch in Henrichenburg die Erkenntnis, dass eine wirksame Hilfe im Brandfall nur durch geschulte Kräfte und beste Organisation geleistet werden könne. Darum wurde bereits vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr am 21. Juni 1906 durch den damaligen Amtmann Schwarthoff und den Gemeindevorsteher Schulte-Strathaus ein Ortsstatut betreffend das Feuerlöschwesen für den Bezirk der Gemeinde Henrichenburg erlassen. Gemäß dieser Satzung war eine Brandwehr zu bilden. Dienstpflichtig war jeder männliche Einwohner vom vollendeten 18. bis zum vollendeten 50. Lebensjahr, wobei bestimmte Berufsgruppen ausgenommen waren. Die Dienstzeit dauerte jeweils vom 1. April bis zum 31. März des folgenden Jahres. Die Brandwehr war eine Schutzwehr im Sinne des Reichsstrafgesetzbuches.

Den verantwortlichen Männern wurde aber schnell klar, dass durch den ständigen Wechsel der Dienstpflichtigen eine schlagkräftige Wehr nicht zu erreichen war. Die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr wurde daher für zwingend notwendig gehalten. So versammelten sich am 12. Oktober 1907 im Lokal Henningfeld 27 Bürger zur Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr.

 

Präsenzliste derjenigen Personen,
welche in der Versammlung vom 12. Oktober 1907
beim Wirt Henningfeld zu Henrichenburg zur
Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr in
Henrichenburg sich zusammengeschlossen haben.

Nr.

Vorname

Name

Stand

Wohnort

1

Julius

Rombeck

Bäcker

Henrichenburg

2

Heinrich

Hartmann

Landwirt

Borghagen

3

Theodor

Kloth

Schreiner

Borghagen

4

Wilhelm

Clairmont

Anstreicher

Henrichenburg

5

Heinrich

Hengst

Frisör

Henrichenburg

6

Theodor

Kessen

Schumacher

Borghagen

7

Wilhelm

Clairmont

Bäcker

Borghagen

8

Franz

Bosmann

Klempner

Henrichenburg

9

August

Bracht

Dachdecker

Henrichenburg

10

Heinrich

Send

Bauunternehmer

Henrichenburg

11

Heinrich

Dorider

Kaufmann

Henrichenburg

12

Heinrich

Scheele

Castelan

Henrichenburg

13

Stephan

Stein

Castelan

Henrichenburg

14

Eduard

Olfmann

Fuhrmann

Becklem

15

Wilhelm

Dieckhöfer

Händler

Henrichenburg

16

Heinrich

Witte

Castelan

Henrichenburg

17

Joh. Bernhard

Schürholz

Antreicher

Becklem

18

Engelbert

Breuckmann

Schumacher

Henrichenburg

19

Wilhelm

Klöcker

Sattlermeister

Henrichenburg

20

Peter

Klein

Schmied

Henrichenburg

21

Franz

Henningfeld

Postagent

Henrichenburg

22

Wilhelm

Ridder

Schneidermeister

Henrichenburg

23

Josef

Böhmer

Schmied

Becklem

24

Georg

Böhmer

Schmied

Becklem

25

Theodor

Lappenküper

Bäcker

Henrichenburg

26

Ludwig

Koch

Frisör

Henrichenburg

27

Ernst

Schulte im Hofe

Gutspächter

Henrichenburg

Die ordentliche Gründungsversammlung erfolgte dann am 8. August 1908 wiederum im Lokal Henningfeld, die von Amtmann Bernhard Schwarthoff einberufen und geleitet wurde. Die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr wurde von allen Anwesenden einstimmig beschlossen. Diese wurde als "Freiwillige Feuerwehr Henrichenburg im Amt Waltrop" in das Vereinsregister des Landkreises Recklinghausen eingetragen und bestätigt. Die Freiwillige Feuerwehr Henrichenburg war somit gegründet.

 

Protokoll Henrichenburg den 8. August 1908

Der Herr Amtmann Schwarthoff aus Waltrop hatte eine Anzahl Bewohner von Henrichenburg im Lokale Henningfeld eingeladen, um eine freiwillige Feuerwehr zu gründen.
Es hatten sich eine große Zahl Männer eingefunden.
Amtmann Schwarthoff legte Ziel und Zweck der freiwilligen Feuerwehr eingehend auseinander. Zwangswehr sei minder nur ein Hilfsmittel, wohingegen eine freiwillige Feuerwehr viel leistungsfähiger sei.
Der freiwillige Feuerwehrmann ging mit viel mehr Lust und Liebe an die Arbeit, was allein schon der Wahlspruch besagt "Gott zur Ehr dem nächsten zur Wehr".
Alle Anwesenden waren mit der Neugründung einverstanden und wurden nunmehr Heinrich Send als 1.Brandmeister Peter Klein als Stellvertreter und Franz Henningfeld als Schriftführer und Kassierer ernannt.
Die freiwillige Feuerwehr ist hiermit gegründet und bedarf nur noch der Genehmigung des Herrn Landrats, womit aber ziemlich sicher gerechnet werden darf.
Auf das einmütige und reibungslose gelingen der Neugründung wurde noch manches "Gut Schlauch" ausgebracht, vertraute man sich mit dem Gedanken, nun mehr recht eifrig an die Arbeit zu gehen.

Henningfeld
Schriftf.


Ab der Gründung

Zum ersten Chef der Wehr wurde der Bauunternehmer Heinrich Send gewählt, der sein Amt bis zum Jahre 1913 innehatte. Stellvertreter wurde der Schmiedemeister Peter Klein, der sich später als Chef der Wehr besondere Verdienste um den Aufbau der Wehr erworben hat, sowie als Schriftführer und Kassierer der Gastwirt Franz Henningfeld.

Die Wehr war dem Kreis-Feuerwehr-Verband Recklinghausen angeschlossen und damit auch dem Westfälischen Feuerwehr-Verband.

Schon am 12. Oktober 1908 wurde ein Statut für die Freiwillige Feuerwehr erlassen, welches von den Mitgliedern des Vorstandes unterschrieben wurde. Dem ersten Vorstand gehörten an: Heinrich Send, Peter Klein, Franz Henningfeld, Heinrich Dorider, Theodor Kessen, Josef Böhmer und Stephan Stein.

An Kleidung wurde zunächst von Seiten der Gemeinde Arbeitszeug gestellt, dann erhielten die Wehrmänner Uniformen. Zeitnah wurden die übrigen Ausrüstungsgegenstände wie Gurt, Seil, Helm usw. gekauft. Sehr bald war die Henrichenburger Wehr sowohl in Bezug auf die Ausrüstung wie auch hinsichtlich der Ausbildung auf der Höhe der Zeit.

1909 wurden in Henrichenburg, Borghagen und Becklem drei Feuerwehrstellen festgelegt und dort Schilder angebracht sowie Signalhörner aufbewahrt, um für den Notfall Anlaufstellen zu schaffen um Feueralarm geben zu können. Gelegentlich wurde Alarm auch durch Glockengeläut gegeben. Die beiden vorhandenen Spritzen wurden in Henrichenburg und Becklem untergebracht.

In den folgenden Jahren nach der Gründung blieb die Wehr stets ernsthaft bemüht, einen möglichst guten Ausbildungsstand zu erreichen. Sie war immer schnell zur Stelle, wenn sie zum Einsatz gerufen wurde. Der Aufbau und die weitere Ausbildung wurden durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges jäh unterbrochen, da die meisten Wehrmänner zu den Fahnen gerufen wurden. Fünf Kameraden starben den Heldentod fürs Vaterland.


Nach dem 1. Weltkrieg

Die Zeit nach dem ersten Weltkrieg war wieder der Ausbildung und dem weiteren Aufbau gewidmet. Mit Hilfe der zuständigen Stellen wurden die notwendigen Ausrüstungsgegenstände beschafft, wobei selbstverständlich noch viele Wünsche offen blieben. Zur Unterbringung der vorhandenen Geräte wurden schon in früheren Jahren so genannte Spritzenhäuser gebaut, die bis zum Bau des eigentlichen Gerätehauses benutzt wurden. Auch wurde schon im Jahre 1908 an der alten Kirche ein Steigerturm aus Holz errichtet, der im Jahre 1919 abgebrochen werden musste.

Neben der feuerwehrtechnischen Ausbildung stand die Pflege der Kameradschaft in den eigenen Reihen und mit Nachbarwehren an vorderster Stelle, die sich bis in die heutige Zeit bewährt hat.


Die 20er-Jahre

1923 wurde ein pferdebespannter Mannschaftswagen beschafft, der nach Bezug der Motorspritze verkauft wurde. Die dafür benötigten Pferde wurden bei Übungen von den Bauern gestellt, während bei Alarm der Bäckermeister Julius Rombeck sein Gespann zur Verfügung stellte. Ein Jahr später, 1924, kam noch ein Schlauchwagen hinzu.

Mitte der 20er-Jahre umfasste der Westfälische Provinzialfeuerwehrverband 750 Wehren mit ca. 40.000 Mitgliedern. Der Vestische Kreisverband zählt 47 Wehren mit rund 1.900 Mitgliedern. Aus organisatorischen Gründen plante der Westfälische Provinzialfeuerwehrverband daher einheitliche Namensbezeichnungen für die Wehren einzuführen. Die Freiwillige Feuerwehr Henrichenburg sollte von nun an „Löschzug III“, bezogen auf die Wehren im Amt Waltrop, heißen. Die Wehr hat jedoch einstimmig beschlossen die bisherige Namensbezeichnung beizubehalten und keine andere Namensbenennung vorzunehmen.

Der Ruf nach dem Bau eines Feuerwehrgerätehauses war schon im Laufe vieler Jahre erhoben worden, bis sich die verantwortlichen Männer der Gemeinde entschlossen, ein Gerätehaus zu bauen. Die Grundsteinlegung dazu erfolgte am 23. Mai 1927. Dieses vorbildliche Gerätehaus mit Steigerturm und Wohnung konnte zur Freude aller Wehrmänner, und darüber hinaus der ganzen Gemeinde, am 1. Juli 1928 eingeweiht werden. Die Freude kam durch ein großes Fest mit Zelt besonders zum Ausdruck. Den verantwortlichen Männern muss noch heute für die Errichtung des Hauses gedankt werden, da sie mit dem Bau eine große finanzielle Belastung für die kleine Gemeinde übernommen hatten.


Die 30er-Jahre

Im Jahre 1931 erhielt die Wehr erstmalig ein Motorfahrzeug, einen gebrauchten, umgebauten LKW, der den Transport von Mannschaft und Gerät übernahm. An diesem wurde der Schlauchwagen angekuppelt.

Durch das Feuerwehrgesetz von 1933 erfolgte eine völlige Umorganisation der gesamten deutschen Feuerwehren. Es wurden Amtswehren gebildet. Von nun an unterstand man dem Amt Waltrop als ein Löschzug („Löschzug III“). Unter Führung des Amtswehrführers vollzog sich eine einheitliche Ausbildung aller Löschzüge, die sich bei vielen Einsätzen bewährt hat. Die Feuerwehrleute arbeiteten weiter pflichtbewusst an ihrer Ausbildung, immer in dem Bewusstsein, bei Gefahr dem Nächsten zu helfen.

Des Weiteren sollte das Jahr 1933 ein Jubeljahr für die Waltroper Wehren sein. Im Laufe des Jahres durfte die Freiwillige Feuerwehr Waltrop ihr 50-jähriges Jubelfest und die Zechenwehr Waltrop ihr 25-jähriges Jubelfest feiern. Alle guten Dinge sind drei: Am Sonntag den 17.09.1933 fand eine große Feier zum 25-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Henrichenburg statt. Die Gemeindebevölkerung hat sich rege an der ganzen Veranstaltung beteiligt. Die Feier, bei welcher man noch manches „Gut Schlauch“ vernahm, nahm ihr Ende am frühen Morgen des Montag.

Durch eine 1939 angeschaffte Motorspritze konnten Wirksamkeit und Reichweite der Brandbekämpfung erheblich gesteigert werden.

Am 1. September 1939 begann der unheilvolle Zweite Weltkrieg. Viele Kameraden wurden zum Kriegsdienst einberufen. Ältere Kameraden mussten als Feuerwehrmänner Dienst im Sicherheits- und Hilfsdienst tun, um bei feindlichen Luftangriffen einen harten Kampf gegen unzählige Brände zu führen. Die übrigen Feuerwehrmänner, die in der Heimat ihre Pflicht taten, standen trotzdem immer bereit, Brände zu löschen oder Hilfsdienste zu verrichten. Leider mussten auch in diesem Krieg sieben treue Kameraden ihr Leben lassen. Feueralarm wurde ab hier durch Sirenen gegeben, die gleichzeitig auch vor feindlichen Luftangriffen gewarnt haben.


Die 40er-Jahre

Als im Jahre 1945 der Zusammenbruch kam, war es schlecht um die Feuerwehr bestellt. Der größte Teil der Ausrüstungsgegenstände, Löschfahrzeuge, Unterkünfte usw. war zerstört oder verschleppt. Wie in fast allen Gemeinden stand auch Henrichenburg ohne einsatzfähige Feuerwehr da. Doch schon bald fanden sich wieder wackere Feuerwehrmänner, die mit großer Tatkraft erneut an den Aufbau der Wehr gingen. Zunächst unterstand die Feuerwehr kurz der Besatzungsmacht. Am 12.10.1945 wurde durch den Gemeindebürgermeister Ludwig Kleinalstede eine Versammlung mit dem Zweck einberufen, die Ortsfeuerwehr nach Abschluss der Kriegshandlungen auf freiwilliger Grundlage neu zu gliedern. Einige Tage später wurden Dienstvorschriften bekannt gegeben, die unter anderem das Entfernen der Hoheitsabzeichen an den Uniformen befahlen, und man unterstand wieder dem Amt Waltrop. Viele Schwierigkeiten waren zu überwinden, doch die Wehr war nach einigen Monaten wieder einigermaßen einsatzfähig. Durch die Ergänzung der gesamten Ausrüstung im Laufe der Jahre ist die Einsatzbereitschaft der Wehr in personeller wie auch in ausrüstungsmäßiger Hinsicht gewährleistet. Durch die Anschaffung eines Tanklöschfahrzeuges im Amtsverband, welches in Waltrop stationiert wurde, ist auch die Feuerwehr Henrichenburg in den Besitz eines einsatzfähigen Fahrzeuges gekommen. Dieses wurde von den Löschzügen aus Waltrop abgeben und ersetzte einen alten umgebauten Krankenwagen, welcher längst nicht mehr den Anforderungen genügte und dann verschrottet werden konnte.

In der Zwischenzeit wurde im Jahre 1947 durch die Gemeinde ein reparaturbedürftiger Motorwagen aus ehemaligen Wehrmachtsbeständen gekauft und instandgesetzt. Er war 1948 wieder fahrbereit.


Die 50er-Jahre

Im Jahre 1950 ist eine 2. Spritze (Tragkraftspritze) auf einem Anhänger der Wehr zur Verfügung gestellt worden. Dieser konnte an den Feuerwehrwagen angekuppelt werden. Der Motor desselben und die Sirene wurden generalüberholt.

Im Herbst 1954 wurde die Bauernschaft Becklem am Wassernetz angeschlossen. Eine genügende Anzahl Hydranten sichert eine gute Wasserentnahme für Feuerlöschzwecke. Zum Schutz der abgelegenen Geschäfte an der Beckumer Straße wurde auf dem Gelände Wiesmann (heute Kreuzungsbereich Bredenbrauck / Beckumer Straße) ein Bohrbrunnen angelegt.

Zum Jubelfest 1958 wurde eine neue Ehrentafel geliefert und angebracht, auf der nun neben den gefallenen Kameraden des 1. Weltkrieges auch die Opfer des 2. Weltkrieges namentlich genannt sind. Diese Ehrentafel hängt noch heute an der Gebäudefront zwischen den beiden Hallentoren.


Die 60er-Jahre

Die Anschaffung eines Löschgruppenfahrzeug LF 8 - TS, erhöhte die Einsatzbereitschaft ab 1961 ganz wesentlich. Auch wurde größerer Wert auf die Neuanschaffung von Schlauchmaterial gelegt. Im folgenden Jahr, 1962, wurde der Vorschlag gemacht, die Sirene auf dem Dach der Schule in Becklem mit der Sirene auf dem Dach der Verwaltungsstelle zu koppeln, um bei Alarm parallel zu alarmieren. Das Vorhaben wurde leider erst Anfang 1966 in die Tat umgesetzt. Weiteres Schlauchmaterial erhielt der Löschzug 1963. Zwei Haspeln, montiert auf einem Schlauchanhänger, konnten nun zu jedem Einsatz mitgeführt werden, und das bis heute. Ab 1965 konnte die Wehr einen VW-Bus der Gemeinde bei Einsätzen benutzen. 1967 nahm zum ersten Mal eine Gruppe an den Leistungswettkämpfen teil. Die Gruppe bestand aus den folgenden Kameraden und bestand die zu absolvierenden Aufgaben auf Anhieb erfolgreich.


Die 70er-Jahre

Die unwiderruflich letzte Abschlussübung der Wehren von Henrichenburg, Horneburg und Waltrop im Rahmen der Amtswehr fand am 12.10.1974 statt. An diesem Samstagnachmittag wurde auf dem Gelände der Firma Wesselbaum und Tübbing, Im Wirrigen - Waltrop, geübt.

Als am 31. Dezember 1974 aufgrund der kommunalen Neugliederung das Amt Waltrop aufgelöst wurde, wurde Henrichenburg der Stadt Castrop-Rauxel zugeteilt, der sie bis heute angehört. Seit diesem Zeitpunkt heißt der Löschzug offiziell „Freiwillige Feuerwehr Castrop-Rauxel - Löschzug 4 Henrichenburg“. Von nun an werden die Einsatzgerätschaften von der hauptamtlichen Wache beschafft, gestellt und gewartet. Im gleichen Zuge verlor Castrop-Rauxel seine Unabhängigkeit. Nach langen politischen Diskussionen entschied sich der Landtag von Nordrhein-Westfalen, Castrop-Rauxel nicht als weiteren Stadtteil nach Dortmund einzugemeinden, sondern in den Landkreis Recklinghausen einzugliedern. Die Stadt konnte somit ihre eigenen Stadtrechte behalten und die Feuerwehrmänner lernten fortan die Funktion von Kreisbrandmeistern kennen. Zu dieser Zeit war dies der Kamerad Richard Kroonen aus Datteln.

Der 14.12.1975 brachte dann die letzte offizielle Versammlung der Amtswehr bei Peters-Brauckmann mit Gulasch und Sauerkraut. Bei dieser Abschiedsfete flossen zwar keine Tränen, aber man versprach sich, die guten Kontakte weiter zu pflegen und gemeinsam den „roten Hahn zu bekämpfen".

Dem stellvertretenden Wehrführer Wilhelm Schäpers, der in der Wohnung über der Fahrzeughalle des Gerätehauses wohnte, wurde zum 01.09.1976 gekündigt. Dieser Schritt wurde vollzogen, da geplant war einen Rettungstransportwagen samt Besatzung ständig im Gerätehaus unterzubringen. Die Wohnung stand von nun an leer. Wehrführer Helmut Kugler stellte auf der Jahreshauptversammlung 1977 eine Erweiterung des Gerätehauses in Aussicht, konnte aber keine Angaben über Umfang und Beginn der Erweiterung machen. Im folgenden Jahr, 1978, teilte der Wehrführer den Kameraden mit, dass sich die Planung zum Ausbau derzeit im Stillstand befände. Daraufhin beantragte der Löschzug über den Löschzugführer Karl-Heinz Kath die Eigennutzung der Räumlichkeiten.


Die 80er-Jahre

In der Jahreshauptversammlung 1980 gab es dann Lichtblicke für die Kameraden. Der stellvertretende Wehrführer Horst Plümer verkündete mit Freude, dass nun endlich die Wohnung im ersten Obergeschoss des Gerätehauses, die mittlerweise fast 3 ½ Jahre leer stand, umgebaut und mit sanitären Anlagen sowie einer Gasheizung versehen wird. Die Baugenehmigung zum Umbau wurde am 17.04.1984 erteilt und die Bauarbeiten durchgeführt. Als herausragende Aktivität dieses Jahrzehnts ist außerdem die selbstständige Renovierung des restlichen Gerätehauses zu nennen. Aus dem Vorhaben, den Vorplatz zu unterkellern und einen Vorbau an das Gebäude zu bauen ist leider bis heute nichts geworden.

Ab 1980 wurde ein Tanklöschfahrzeug TLF 16 (Baujahr 1957) in Henrichenburg stationiert. Der Platz des VW-Busses der Gemeinde, der nach der Eingemeindung frei wurde, konnte durch das Fahrzeug endlich wieder neu besetzt werden.

1983 wurde das 1961 angeschaffte LF 8 - TS durch ein neues LF 8 ersetzt. Drei Jahre später, 1986, sollte der Löschzug ein nagelneues TLF 16 erhalten. Die Wehrführung sprach sich jedoch für ein LF 16 aus, um mehr Personal befördern zu können (9 Personen anstatt nur 3). Da die Stellproben mit verschiedenen TLF 16 eng, aber erfolgreich waren, dachte niemand mehr an die größere Dachbeladung eines LF. So wurde das LF 16 im Oktober 1986 geliefert und stand kurz vor der Übergabe an den Löschzug Henrichenburg, als plötzlich festgestellt wurde, dass das Fahrzeug aufgrund der Höhe nicht mehr durch die Rundbogentore des Gerätehauses passte. Schnell disponierte man um, sodass ein TroTLF 16 von der Wache als Ersatz für das 29 Jahre alte TLF 16 bereitgestellt werden konnte. Das neue LF 16 wurde dann an der Wache stationiert und genutzt.

Am 05.11.1988, erstmals nach 13 Jahren, führte der Löschzug Henrichenburg wieder gemeinsam mit der Waltroper und der Horneburger Wehr eine Übung durch. Bei einem Brand auf dem Hof Berkel in Henrichenburg wurde die Wasserförderung über lange Wegestrecken geübt. Zwei Kilometer Schlauch wurden dabei verlegt.


Die 90er-Jahre

Die Alarmierung der Einsatzkräfte, die früher durch Hornsignale, Glockengeläut oder Sirenen erfolgte, geschieht seit Januar 1993 über Funkmeldeempfänger. Im selben Jahr wurde das Gerätehaus mit neuen Hallentoren versehen. Die Stadtverwaltung beschloss kurzfristig die alten hölzernen Rundbogentore zu entfernen, die Durchfahrt an sich zu vergrößern und rechteckige Sektionaltore einzubauen. Hätte die Verwaltung diesen Schritt nicht gemacht, hätten keine neuen Fahrzeuge mehr den Weg in das Gerätehaus gefunden. Anschließend wurde das Gerätehaus mit einem neuen Außenanstrich versehen. Zum Leid aller Mitglieder wurde das LF 16 immer noch nicht nach Henrichenburg umgesiedelt. Es dauerte ungefähr weitere zweieinhalb Jahre, bis an der Wache ein neues TLF 16 in Dienst gestellt wurde und das LF 16 dadurch in Henrichenburg seinen Dienst verrichten konnte, was es auch heute noch tut. Es ersetzte das TroTLF 16.

Das mittlerweile alljährliche Osterfeuer wurde 1997 vom Burgplatz auf das Gelände der Grundschule Alter Garten verlegt. Die Anzahl der Gäste stieg dadurch deutlich an.


Das neue Jahrtausend

Zur Jahrtausendwende vom 31.12.1999 zum 01.01.2000 stellte der Löschzug Henrichenburg, wie viele andere Feuerwehren auch, 15 Kameraden bereit, die im Fall des befürchteten Totalzusammenbruchs unverzüglich hätten eingreifen können.

Bei den jährlichen Leistungswettkämpfen im September 2004 trat der Löschzug Henrichenburg wieder mit 1 Gruppe an. Während der Übung bemerkte der Maschinist eine erste Funkenbildung der FP am LF 8. In den darauffolgenden Wochen segnete die Pumpe endgültig das Zeitliche. Bis zum Ersatz durch ein neues LF 10/6 am 29.10.2005 verrichtete ein LF 16 - TS vom Löschzug Merklinde in Henrichenburg Ersatzdienst. Die Fahrzeughalle wurde vor der Fahrzeugübergabe komplett renoviert.
 

„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“